SPD Bensheim: Tempo 30 im Praxistest

von links: Jürgen Kaltwasser, Mete Güzel, Josefine Koebe, Martin Zencke und Heinz-Jürgen Schocke

Bensheim. Ressourcen schonen kann gewiss jeder, und so einen Beitrag für den Umweltschutz leisten, ob beim Wasser oder Stromsparen, mit Photovoltaik oder im Straßenverkehr. So überprüften Mitglieder der SPD Bensheim, wie groß der Zeitverlust ist, wenn man eine Strecke mit 30 km/h statt 50 km/h befährt.

Die Fahrstrecken waren schnell ausgesucht. Eine Bundesstraße im Stadtgebiet sollte in beide Richtungen befahren werden, die andere Route weitgehend auf innerstädtischen Straßen verlaufen. Ein PKW sollte die Strecke mit der Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h befahren, und ein zweiter gleichzeitig mit 30 km/h. Gespannt waren die Tester auf das Ergebnis. Würde die häufig gemachte Erfahrung sich hier bestätigen, was Autofahrer gelegentlich bemerken, wenn sie auf einer Ampel-bewehrten Strecke sich mit einem Radfahrer ungewollt messen? Der Radfahrer wird überholt, an der roten Ampel ist der Radfahrer gleichauf, überholt bei Grün den PKW, um dann selbst wieder überholt zu werden – bis zur nächsten Ampel.

Start war am Dienstag um 16 Uhr am B 3–Kreisel in Bensheim-Süd. Mit geringem Abstand folgte der 30 km/h-Pkw dem „50er“. Ziel war der Kreisel in Zwingenberg-Süd, Fahrstrecke 6,2 km, und dann in umgekehrter Richtung. Die zweite Strecke führte vom Dorfgemeinschaftshaus in Bensheim-Zell zum Livus-Ärztehaus am Berliner Ring und zurück, Fahrtstrecke jeweils 6,7 km. Am Samstag nach 9 Uhr wurden die Strecken nochmals abgefahren.

Die sechs Testfahrer, darunter Mete Güzel, Pavlos Polyzogopoulos, Heinz-Jürgen Schocke und Martin Zencke, stellten nüchtern fest, dass bei zulässigen 50 km/h die tatsächliche Durchschnittsgeschwindigkeit etwa 35 km/h betrug, im Vergleich zu etwa 25 km/h bei den Fahrten mit der selbst gewählten Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Der Zeitgewinn der „Schnellfahrer“ lag bei etwa 3 Minuten pro Strecke, das entspricht weniger als 25 Prozent der Fahrtzeit. Landtagskandidatin Josefine Koebe, die die Testfahrer am Endpunkt in Empfang nahm, kommentierte: „Dieses erste Ergebnis hatte ich so nicht erwartet, wenn auch klar war, dass eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h bei den vielen Ampeln nie erreicht werden kann.“

Die Testfahrer sahen sich bestätigt, dass eine Grüne Welle in Bensheim weitgehend unbekannt ist. Resümee der Fahrten mit der geringeren Durchschnittsgeschwindigkeit war, wie ungewohnt es ist, breite und gerade verlaufende Straßen mit 30 km/h zu befahren. Doch nach kurzer Eingewöhnungszeit wurde diese Entschleunigung als angenehm empfunden. Dankbar sind alle Testfahrer, dass das Schild im Heck „Testfahrt der SPD – 30 km/h“ klaglos von den folgenden Autos akzeptiert worden ist.

Einig waren sich die Testfahrer, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung mit Augenmaß im innerstädtischen Verkehr machbar und sinnvoll ist. Es müsse nur der Wille der politisch Verantwortlichen vorhanden sein und die Bereitschaft der Bevölkerung, mit geringen Einschränkungen einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Kurz gesagt: Man muss es nur wollen.

Über ein verwandtes Thema – Photovoltaik – wird die SPD Bensheim am 6. Februar in einer öffentlichen Veranstaltung unter dem Titel „Energiewende hier und jetzt“ mit Fachleuten diskutieren.