MdB Christine Lambrecht zu Besuch bei der AWO Jugend- und Suchtberatung PRISMA in Lampertheim

Viernheim, August 2015 – Über die Arbeit mit suchtkranken Menschen informierte sich die erste Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagfraktion und Bergsträßer Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht im Rahmen ihrer Sommertour bei der AWO Jugend- und Suchtberatung PRISMA in Lampertheim. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung beraten bei Problemen mit illegalen Drogen, Glücksspielsucht und weiteren Suchtformen, wie Essstörungen oder Internetsucht.

„Seit 2012 befindet sich unsere Beratungsstelle in einem Umstrukturierungsprozess. Früher haben wir nur Menschen mit illegalem Drogenkonsum beraten. Jetzt bieten wir auch legale Suchthilfe an und sind zuständig für das gesamte Ried und den nördlichen Teil der Bergstraße“, berichtete AWO Geschäftsführer Peter Blessing über die aktuelle Situation.

Nicht nur die Beratungsstrukturen, auch die Formen von Abhängigkeit haben sich verändert. „Während Cannabis nach wie vor gerne von Jugendlichen genutzt wird, spielt Heroinkonsum bei den harten Drogen im Vergleich zu den 80er Jahren keine große Rolle mehr“, erklärte Eva Spaniol, die Leiterin der Einrichtung. Unter den Abhängigen neu hinzugekommen sei die ständig wachsende Gruppe der Medien- und Internetabhängigen, aber auch das Problem der Suchterkrankungen im Alter. „Rund 2 Millionen Menschen weisen beispielsweise problematische Konsummuster im Umgang mit psychotischen Medikamenten auf. Und 2-3% der über 60-jährigen Männer gelten als alkoholabhängig, bei den Frauen sind 0,5 – 1%“, stellte Anke Wilk, die in der Suchtprävention der Einrichtung tätig ist, die Fakten dar. „Früher hat es keinen interessiert, wenn ältere Menschen, die aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, beispielsweise zu viel getrunken haben. Heute wird „Sucht im Alter“ vor allem im pflegerischen Bereich zunehmend zum Problem“, ergänzte Michael Niedermayr, ebenfalls Mitarbeiter in der Suchtprävention.

Aufgrund der aktuellen Entwicklung hat PRISMA Projekte ins Leben gerufen, die sich gezielt mit dem Thema Sucht im Alter und dem Umgang damit befassen. Zum einen bietet PRISMA Schulungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Pflegebereich an. „Die Kurse werden erfreulicher Weise sehr gut angenommen. Viele Pflegerinnen und Pfleger reagieren bei Abhängigkeit hilflos. Der Grad zwischen dem Recht auf Selbstbestimmung auch im Alter und der Sorgfaltspflicht des Pflegepersonals ist sehr schmal“, beschreibt Niedermayer das Problem. In den Schulungen wird Wissen über Suchterkrankungen und der professionelle Umgang damit vermittelt. Daneben betreibt PRISMA auch gezielt Öffentlichkeitsarbeit, um die Gesellschaft für dieses Thema zu sensibilisieren.

Lambrecht lobte die Initiative von PRISMA: „Mir war bisher nicht bewusst, dass Suchterkrankungen im Alter so verbreitet sind. Von daher ist es gut, wenn das Problem stärker in die öffentliche Wahrnehmung gerückt wird“, sagte sie. Auf beiden Seiten besteht großes Interesse an der Fortsetzung des Austauschs.