SPD Kreistagsfraktion fordert Übergangslösung für die Rückkehr von G8 zu G9 auch für 5. und 6. Klassen

Die Bergsträßer SPD Kreistagsfraktion hat für die kommende Kreistagsitzung einen Antrag eingebracht, mit der auch fünften und sechsten Klassen an Gymnasien die Rückkehr zur Regelschulzeit „G9“ ermöglicht werden soll. Mit diesem Antrage soll das Anliegen der Eltern der Fünft- und Sechstklässler und der Gemeindevertretung Wald-Michelbach unterstützt werden. Die Wald- Michelbacher Gemeindevertretung hat einen nahezu wortgleichen Antrag einmütig beschlossen.

Wie die stellvertretende SPD Fraktionsvorsitzende Karin Hartmann mitteilt, soll mit diesem Antrag an die Hessische Kultusminister appelliert werden, auch den jetzigen 5. und 6. Klassen an Gymnasien die Rückkehr von G8 zu G9 zu ermöglichen. „Gerade an Schulen wie dem Überwaldgymnasium, bei denen alle Eltern der Fünftklässler eine Rückkehr zu G9 wünschen, müsse dem eindeutigen Elternwillen Rechnung getragen wird“, betont Karin Hartmann.

Die SPD Landtagsfraktion habe in den vergangenen Monaten mehrere Initiativen gestartet, eine Rückkehr auch der 5. Und 6. Klassen zu G9 zuzulassen. Doch leider seien die Anträge allesamt von der CDU/FDP-Mehrheit im Landtag abgelehnt worden. Vor dem Hintergrund, dass mehrere zehntausend Eltern Unterschriften für eine Rückkehr auch der fünften und sechsten Klassen zu G9 geleistet hätten, sei dieses Verhalten vollkommen inakzeptabel – der Elternwille werde mit Füßen getreten, kritisiert Hartmann.

Unverständlich sei die Verweigerungshaltung der Kultusministerin bezüglich der Rückkehr zu G9 gerade in Bezug auf die Schüler der Jahrgangsstufe 5, da diese noch nicht in „zeitliche Vorleistungen für G8 getreten sind“ und somit eine Rückkehr zu G9 unproblematisch möglich wäre. Da sich die Lehrpläne für die fünften Klassen bei G8 und G9 noch sehr ähneln, sieht Hartmann keine schlüssigen Argumente, die einer Rückkehr zu G9 im Weg stehen.

Und die Begründung der Kultusministerin, „dass die Eltern einen Bestands- und Vertrauensschutz in Bezug auf die Weiterführung von G8 hätten und es verhindert werden müsse, und dass G9-Befürworter- Eltern gegen G8-Befürworter- Eltern ausgespielt würden“, treffe für das Überwaldgymnasium nicht zu, da alle Eltern der Fünftklässler für eine Rückkehr zu G9 unterschrieben hätten.

Gespannt verfolgt die SPD Landtagskandidatin die Klage eines Fünftklässlers am Überwaldgymnasium, der auf Unterrichtung in einem 6-jährig organisierten Gymnasialzweig der Mittelstufe klagt. „Auch wenn es zeitlich knapp wird, unterstütze ich diese Klage und hoffe, dass von Seiten des Verwaltungsgerichtes eine positive Entscheidung hinsichtlich des Elternwillens getroffen wird“, betont Hartmann. Damit könne wenigstens dem 5. Jahrgang der unnötige zusätzliche Schulstress erspart werden. „Als Mutter einer Tochter, die gegenwärtig am Überwaldgymnasium G8 durchläuft, erlebe ich tagtäglich die Auswirkungen von G8. Gerade bei Kindern und Jugendlichen, die etwas mehr Zeit zum Lernen bräuchten, steht in der Freizeit nicht mehr genügend Zeit für Musik, Sport und gemeinsame Unternehmungen mit Freuden zur Verfügung“, erklärt Karin Hartmann.

Mit einer Rückkehr zu G9 in Verbindung mit einer Schuleingangsstufe und einer modularisierten Oberstufe hätten leistungsstarke Schülerinnen und Schüler auch weiterhin auf freiwilliger Basis die Möglichkeit einer Schulzeitverkürzung. Dass aber gerade in der Pubertät das soziale Lernen und zeitliche Freiräume wichtiger seien als ein Turbo- Abitur, hätten mittlerweile auch ehemalige G8 Befürworter erkannt. Doch leider werde die groß angekündigte Rückkehrmöglichkeit von G8 zu G9 von der derzeitigen Landesregierung nur halbherzig unterstützt. „Ich frage mich, wo denn 2004 der Bestands- und Vertrauensschutz für die Eltern und Schüler war, als die CDU- Landesregierung trotz massiver Warnungen aller Fachleute die Zwangsunterrichtung in der verkürzten Schulzeit G8 beschlossen hat“, kritisiert Karin Hartmann die Verweigerungshaltung der Kultusministerin und der CDU/FDP- Mehrheit im Hessischen Landtag. „Hätte die damalige Landesregierung bei der Einführung von G8 den Gymnasien die Wahlfreiheit überlassen, wäre vielen Schülerinnen und Schülern unnötiges Schulversagen erspart geblieben“, erklärt die stellvertretende SPD- Fraktionsvorsitzende abschließend.